Das Gasthaus

Rumi

Jeden Morgen ein neuer Gast.

Eine Freude, ein Kummer, eine Gemeinheit,
ein kurzer Moment der Achtsamkeit kommt
als ein unerwarteter Besucher.

Heisse sie alle willkommen und bewirte sie!
Selbst wenn sie eine Schar von Sorgen sind,
die mit Gewalt aus deinem Haus
die Möbel fegt,
auch dann, behandle jeden Gast würdig.
Es mag sein, dass er dich ausräumt
für ganz neue Wonnen.

Dem dunklen Gedanken, der Scham, der Bosheit –
begegne ihnen lächelnd an der Tür
und lade sie ein.

Sei dankbar für jeden, wer es auch sei,
denn ein ein jeder ist geschickt
als ein Führer aus einer anderen Welt.

Atme

Zur Ruhe kommen

Zur Ruhe kommen     Foto © Prato9x/flickr

Leo Babauta

Atme.

Atmen kann dein Leben verändern.

Wenn du dich gestresst und überwältigt fühlst – atme. Es beruhigt dich und hilft dir, Spannungen abzubauen.

Wenn du dir Sorgen machst über das, was auf dich zukommt, oder in etwas gefangen bist, das bereits geschehen ist – atme. Es vermag dich in diesen Moment zurückzubringen.

Wenn du mutlos bist und nicht mehr erkennen kannst, welcher Sinn in deinem Leben liegt – atme. Es wird dich daran erinnern, wie kostbar das Leben ist und dass jeder Atemzug deines Lebens ein wunderbares Geschenk ist. Mache das Beste aus diesem Geschenk.

Den Heizölverbrauch senken – auf die japanische Art

Am Kotatsu

Am Kotatsu       Foto © Sean Sakamoto

Sean Sakamoto

"Es ist so verrückt, dass du dein ganzes Haus heizt" sagte meine Frau eines Winters. Sie ist Japanerin und als wir noch frisch verheiratet waren, hier in den USA, gab es eine Menge dieser "es kann nicht wahr sein, dass ihr hier so was tatsächlich macht"-Wortwechsel.

Vor kurzem sind wir nach Japan umgezogen und jetzt hat sich das Blatt gewendet. Jetzt stehe ich vor neuen Herausforderungen und der wahrscheinlich größte Kulturschock bei der Ankunft war: "Es kann nicht wahr sein, dass ihr eure Häuser hier nicht heizt."
Es stimmt: Es gibt keine Heizungen in unserer neuen japanischen Wohnung und in diesem Kulturkreis ist das keineswegs ungewöhnlich.

52 Wege durch das Jahr 2010

Ein kostenloses Abonnement als Geschenk

Dirk Henn

Heute schreibe ich einmal in eigener Sache.
Seit April sende ich euch Donnerstag für Donnerstag den 52 Wege-Newsletter zu. Mindestens zehn Jahre lang, so habe ich mir vorgenommen, will ich diesen kostenfreien Service anbieten; was wachsen und gedeihen soll braucht Zeit und Pflege, das weiß jede Gärtnerin und jeder Gärtner nur zu gut.

Nun, kurz vor Weihnachten, will ich euch um eure Mithilfe bitten. (Seid ohne Sorge. Dies ist einmalig, und ich werde euch nicht mehr als einmal im Jahr derart zu Leibe rücken.)

Ich brauche eure Mithilfe, weil ich die 52 Wege in die Welt tragen will. Und jetzt, zur Jahreswende, in der Weihnachtszeit, wäre es ein schönes Geschenk, Freunden, Bekannten und Verwandten 52 Wege anzubieten, die sie durch das Jahr 2010 begleiten.

Ein Manifest für Faule

Tu weniger, und dann tue noch weniger

weniger, und noch weniger

Raum für Ruhe

Leo Babauta

"Praktiziere Nicht-Tun und alles fügt sich ineinander." Lao-Tse

Ein jeder ist mal faul, dann und wann. Klar, einige von uns werden von Faulheit öfter befallen als andere. Einmal sagte mir meine Mutter (die immer hart gearbeitet hat), dass sie faul sei und brachte dann am Ende doch die Arbeit hinter sich. Ich antwortete ihr: "Mama, das ist keine Faulheit! Das ist das genaue Gegenteil!"
Faulheit wird zumeist als eine schlechte Sache angesehen, aber ich bin da anderer Meinung. Trägheit ist eine fantastische Sache. Hier nur einige Gründe, warum:

1. Trägheit zeigt dir, dass dein Körper und dein Geist müde sind und dass sie eine Pause brauchen. Das deutet darauf hin, dass du tatsächlich innehalten solltest. Wenn du diese Anzeigen übergehst, führt es über kurz oder lang zum Burnout. Also sei faul, und fühle dich gut dabei.

2. Faulheit weist darauf hin, dass du nicht zu hart arbeiten willst – was oftmals dazu führt herauszufinden, wie du deine Ziele mit weniger Arbeitseinsatz erreichen kannst.

Ich lebe ohne Geld – und mir geht’s recht gut

Mark Boyle mit Äpfeln – umsonst und draussen

Mark Boyle mit Äpfeln     Foto © www.justfortheloveofit.org

Mark Boyle

Sechs Jahre lang habe ich Wirtschaftswissenschaften studiert und nicht ein Mal das Wort "Ökologie" gehört. Wenn ich nicht durch Zufall in der Endphase meines Studiums ein Video Namens "Gandhi" gekauft hätte, wäre für mein Auskommen gesorgt gewesen. Zum Beispiel in einem sehr angesehenen Job, in dem ich indische Bauern davon überzeuge, dass es besser ist genmanipulierte Saaten anzubauen – oder irgend etwas anderes Nützliches in der Art.
Der kleine Bursche im Leinengewand hat mir allerdings eine wichtige Lektion erteilt: "Sei du der Wandel, den du in der Welt suchst." Blöd war nur, dass ich nicht die leiseste Ahnung hatte, was dieser Wandel sein sollte.

Nachdem ich einige Biolebensmittel-Firmen geleitet hatte, wurde mir klar, dass selbst "ethisches Business" niemals nur annähernd ausreichen würde. Ein nachmittägliches Herumphilosophieren mit einem Kumpel brachte dann die große Wende.

Das Ende des Schubfach-Lebens und die Auflösung von Grenzen

Viele Räume, grosse Leere

Viele leere Räume       Foto © Photocapy/flickr

Jonathan Mead

Die Bestimmung meines Lebens liegt darin, in völliger Kongruenz zu leben.
Ich würde sagen, dass es auch deine Bestimmung ist – und womöglich die Bestimmung eines jeden Menschen – wenn wir die Idee nur weit genug treiben.

Lass uns also zunächst darüber sprechen, was das überhaupt bedeuten soll. Denn wenn es dir wie mir geht, erinnert dich das Wort "kongruent" bestenfalls an den Geometrieunterricht in der siebten Klasse und an nicht viel mehr. Doch tatsächlich hat das Wort eine weitere Bedeutung, und die ist "Übereinstimmung".
Wenn du in Kongruenz lebst, in völliger Übereinstimmung, steht kein Teil von dir im Widerstreit zu irgendeinem anderen Teil von dir.

Alles gründet im Guten

Chögyam Trungpa

Das fundamental Gute ist bedingungslos. Es ist bereits da, so wie Himmel und Erde schon da sind. Stell dir vor, du sitzt nackt auf dem Boden, dein nackter Hintern berührt die Erde. Du bist oben dem Himmel und unten der Erde ausgesetzt, eingebunden zwischen Himmel und Erde. Du kannst die Atmosphäre nicht ablehnen, die Sonne und den Mond, Bürgersteige und Wolkenkratzer, die Landschaft oder das Meer. So grundlegend ist das Gute, so bedingungslos. Es geht nicht um „Gut“ gegen „Böse“, Gutheit ist nicht für oder gegen etwas, genauso wenig wie das Sonnenlicht für oder gegen etwas ist.

 

Eine Tasse, ein Leben lang

Kawagishi-sensei mit seiner Tasse

Kawagishi-sensei mit seiner Tasse     Foto © Sean Sakamoto

Sean Sakamoto

Kawagishi-sensei ist Zen-Mönch und er ist Lehrer an der Sekundarschule an der ich arbeite. Er unterrichtet Kalligrafie, eine der traditionellen Künste Japans. (Es gibt bei uns eine Menge Zusatzangebote, an denen sich die Schülerinnen und Schüler beteiligen können, ähnlich wie an US-amerikanischen High Schools.)

In Kalligrafie üben die Schüler die Kunst, japanische Kanji-Schriftzeichen zu malen – die chinesischen Buchstaben, die einen Teil der geschriebenen Sprache ausmachen. Kalligrafie hat in Japan eine lange Tradition und die Schriftzeichen sehen, selbst für meinen ungeübten Blick, wunderbar aus.

Kawagishi-sensei lehrt Kalligrafie seit mehr als 30 Jahren. Mein Japanisch ist nicht gut genug, um viel mit ihm zu sprechen, aber doch versuchen wir jede Woche miteinander zu plaudern. Mir fiel auf, dass er seinen Tee dabei immer aus einer speziellen Tasse trinkt, die auf seinem Tisch steht.

Gib dir Zeit, um einfach da zu sein

Chögyam Trungpa

Gönn dir eine Pause. Genieß den Tag, deine normale Existenz. Wir müssen lernen, freundlicher mit uns zu sein, viel freundlicher. Lächle oft, auch wenn es niemand sieht. Lausche dem Echo deines Lebens wie einem Bach. Eine Menge Probleme entstehen aus Selbsthass. Lassen wir ihn los; lassen wir zu, dass er verschwindet. Seien wir wirkliche Menschen. Seien wir wahrhaftig Menschen.

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