Kampf dem Konsumismus: Liebe dein Zeugs!

zugeschlagen

zugeschlagen       © beck

James Shelley

Meist denken wir, bei Konsumismus gehe es darum, dass wir uns hartnäckig und verbissen an unseren Wohlstand, unsere Kinkerlitzchen und unsere Spielzeuge klammern. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil der Fall: Konsumismus entsteht, weil wir unsere Dinge ganz und gar nicht lieben. Wir hängen so wenig an unseren materiellen Gütern, dass wir sie regelmäßig und immer häufiger fortwerfen und ersetzen. In diesem Licht betrachtet ist Konsumismus die blindwütige Achtlosigkeit gegenüber unseren physischen Besitztümern.

Diese Grundannahme begegnete mir zum ersten Mal im Werk des Theologen William Cavanaugh, der das Konzept in kluger Schärfe darlegt:

"Die Beziehungslosigkeit des Konsumenten ist auch eine Beziehungslosigkeit zu den Dingen, die wir kaufen. Unsere Beziehungen zu Produkten neigen dazu, kurzlebig zu sein: Anstatt wertvolle Objekte zu horten, sind Konsumenten eher durch ihre konstante Unzufriedenheit mit materiellen Gütern charakterisierbar. Die Unzufriedenheit ist es, die die rastlose Suche nach Befriedigung in Form von etwas Neuem hervorbringt. Konsumismus dreht sich nicht so sehr darum, mehr haben zu wollen, es geht eher darum, etwas anderes haben zu wollen; darum geht es nicht einfach um das Kaufen, sondern um „Shopping“ – einer der zentralen Punkte des Konsumismus. Kaufen bewirkt eine zeitweilige Beruhigung der Ruhelosigkeit, die dem Konsumismus eingeschrieben ist." *

Lust auf weniger Konsum? Dann versuch Materialistischer zu sein. Geh den ersten Schritt, dieser chaotische Verramschung von Ressourcen ein Ende zu setzen, indem du lernst, das was du bereits hast zu lieben und zu würdigen.

Dieser Artikel stammt von James Shelley, er wurde erstmals auf seiner Website jamesshelley.net unter dem Titel Fight Consumerism: Love Your Stuff! veröffentlicht.
* Das verwendetete Zitat stammt aus William T. Cavanaugh, Being Con­sumed: Eco­nom­ics and Chris­t­ian Desire (Grand Rapids, Michi­gan / Cam­bridge, U.K.: William B. Eerd­mans, 2008), Seite. 35
Übersetzung: Dirk Henn.

Kommentare

Lob

Wirklich gut!
Vor allem das "mehr hängen an" Sachen, die wir schon haben, zu einem weniger auf der haben-wollen-Seite führen kann - das habe ich echt lernen müssen: Ich renne seit Wochen durch's Haus und überlege: "Weniger, ja weniger muss es sein!" ;-)
Zum ersten Mal auf Eurer Seite und schon was gelernt (und geschmunzelt)

Sehr gut!!

Werds zitieren :)

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