Find’ ein Loch und fülle es

Ganz tief graben

Ganz tief graben       Foto © coljay72/flickr

David Turnbull

Letztes Jahr begegnete mir in einem buddhistischen Newsletter eine wunderbare Geschichte. Sie bezog sich auf die beunruhigende Aufgabe, „unsere Berufung zu finden“. Dieser Newsletter hielt eine der kraftvollsten Denkweisen für das Leben in der Moderne bereit:

Find’ ein Loch und fülle es.

Unternehmer würden an dieser Stelle wohl daran denken, dass ein Loch eine Marktnische sein kann, die noch nicht bedient wird.

Finde das Loch und stell dir die Frage „Womit sollte ich es füllen?“ – und du hast dir die Grundlage für eine Unternehmung geschaffen.

Andererseits können Löcher auch persönliche Schwachstellen oder Erscheinungsformen untergründigen Widerstands sein. Vielleicht wirken sie sich nicht auf die Welt aus, doch sie bereiten dir täglich Leid. Klar, Schwierigkeiten können nicht einfach gelöst werden, indem man ein Statement liest. Doch sich Schwachstellen als Löcher vorzustellen, macht es für mich viel einfacher, mich auf sie einzulassen.

Stell dir vor, du hast die Aufgabe, in einem Matschberg hundert Löcher zu füllen. Die Aufgabe in einem Zug zu erledigen wäre eine Überforderung. Doch was passiert, wenn du dich darauf einlässt, einfach nur ein Loch zu füllen? Vielleicht schon nach zwanzig Minuten ist es gefüllt. Jetzt geht es nur noch um neunundneunzig Löcher. Arbeite eine Stunde pro Tag und in wenigen Monaten ist die Aufgabe erledigt.

Behandle deine Schwächen und unangenehmen Seiten auf die gleiche Art.
Zu denken „Oh Gott, mein Leben ist so leidvoll“ ist wie die erste Reaktion auf ein Feld voller Löcher; eher emotional als rational, und nicht schlüssig in Bezug auf die Realität der Situation. Um dem zu begegnen, nehme dir jeden Tag einige Minuten und frage dich folgende Fragen:

  • Was fehlt mir in meiner Persönlichkeit und in meinem Verhalten?
  • Was hält mich davon ab, dorthin zu gelangen, wo ich hin will?
  • Wie sähe mein perfekter, ganz gewöhnlicher Tag aus?

Mit den Antworten auf diese Fragen kannst du klar erkennen, welche Löcher es zu füllen gilt. Das gibt dir einen Startpunkt, und das ist alles was du brauchst. Ideen können furchteinflößend sein, doch wenn du die Schaufel erst einmal in der Hand hast und dich auf die Arbeit einlässt, deine schlechten Angewohnheiten über Bord zu werfen, dein Ego, das Unwesentliche , wird die Aufgabe selbst der Angst vor allem Möglichem die Kraft entziehen.

Dein Ziel sollte zweigesichtig sein: Die Aspekte deines Lebens auszumerzen, die Leid verursachen (ganz gleich wie klein oder groß sie sind) und Situationen zu entlarven, die unausweichlich zu Leid führen (wie zum Beispiel dem Hype um ein neues technisches Spielzeug zu erliegen, um am Ende die Enttäuschung deiner hohen Erwartungen zu spüren. Oder einem Pfad zu folgen, der auch auf lange Sicht an kein heilsames Ziel führt).

Die Innenschau verlangt von dir, ehrlich mit dir selbst zu sein. Keine Schwäche ist zu dumm, zu seltsam oder zu unbedeutend als dass sie es nicht wert wäre, überwunden zu werden. Anerkenne deine Löcher, bringe sie ans Licht, in die offene Weite der Welt und verpflichte dich, sie zu füllen – bedächtig, unnachgiebig und in aller Einfachheit.

Ich wünsche mir, dass es uns Menschen gelänge – mich eingeschlossen – einen Punkt in unserem Leben zu erreiche, in dem wir nicht von all dem Zeug überschwemmt werden oder von unseren Begierden nach dem nächsten „coolen Ding“ herumgestoßen werden und stattdessen am Morgen einfach erwachen, frei von Gedanken, die überfrachtet sind mit Befürchtungen, Wünschen und Bedürfnissen.

In dieser Einfachheit finden wir Zufriedenheit in unserer Arbeit und in unserem Leben; nicht wieder und wieder über unsere Handlungen nachdenkend, sondern stattdessen instinktiv handelnd, urwüchsig gewahr dessen, dass da Löcher sind, die es zu füllen gilt und ohne große Reibereien oder ohne viel Aufhebens davon zu machen einfach das tun, was zu tun ansteht.

Dieser Artikel stammt von David Turnbull, er wurde erstmals auf seiner Website Adventures of a Barefootgeek unter dem Titel Find a Hole and Fill It veröffentlicht. Seine englischsprachige Website bietet eine Vielzahl von wertvollen Anregungen. Übersetzung: Dirk Henn.

Kommentare

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Dear Bill,

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