Die Kraft der Genügsamkeit

Wollen Sie die Welt retten? Ich sage Ihnen, wie...

Jonathan Mead

Unser blauer Planet ist derzeit nicht gerade gut in Form. Die Luft, unser Wasser und die Ozeane sind verschmutzt. Und wir Menschen befinden uns derweil in einer Finanzkrise. Na, das sieht nicht gerade gut aus, nicht wahr!?

Es gibt eine Menge Menschen, die eine Vielzahl von Antworten und Lösungen bereithalten. Jeder einzelne von ihnen denkt, dass seine Antwort dir richtige ist. Wir brauchen saubere, natürliche Formen der Energiegewinnung. Wir brauchen biologisch abbaubare Produkte, die sich nach ihrer Verwendung einfach kompostieren oder in biologische Kreisläufe zurückführen lassen. Wenn es um die Finanzkrise geht, wird die Sache noch ein wenig unübersichtlicher: Einige Menschen sagen, wir brauchen mehr Kontrollen, andere sagen, wir brauchen mehr Arbeitsplätze. Andere widerum sagen, dass unsere Einkommen einfach nicht mehr mit den steigenden Kosten mithalten können.

Jedermann und jedefrau hat Antworten. Schwierig daran ist allerdings, dass keiner der Vorschläge das grundlegende Problem angeht: Es geht nicht darum, etwas zu tun.
Nein, ich habe mich nicht versprochen, ich meine es so, wie ich es schreibe.
Die Lösung liegt nicht in besseren Konzepten, findigeren Problemlösungen oder unterschiedlichen Herangehensweisen. Es ist viel einfacher – wir müssen weniger tun.
Es gibt ein grundlegendes physikalisches Gesetz, das besagt, dass Energie weder erzeugt noch vernichtet werden kann, sie kann nur umgewandelt werden. Ich bin sicher, Sie sind mit diesem Sachverhalt vertraut, wir alle haben davon in der Schule gehört. Dieses selbe Gesetz läßt sich auf unser Leben anwenden, aber ich fürchte, wir haben es bislang nicht wirklich zur Kenntnis genommen.
Schauen Sie, es ist gar nicht so schwierig, dass wir uns inmitten all dieser Probleme befinden. Es mag scheinen, dass wir so viel unternehmen müssen, um die Dinge wieder ins rechte Lot zu bringen. Doch das ist ein Irrtum. Wir müssen nicht noch mehr tun. Wir müssen uns nicht noch mehr anstrengen. Wir müssen weniger tun.
Das ist auch der Grund, warum ich viele dieser "grünen Enthusiasten" nicht verstehe. Sie sagen, wie brauchen ökologischere Produkte, die die Umwelt weniger belasten. Sie wollen unsere Konsumgüter umweltfreundlicher machen. Ich stimme zu, dass dies ein Teil der Antwort ist, doch diese Frage berührt nur einen Bruchteil des Problems. Die wesentliche Frage ist, wieviel wir konsumieren.
Es ist vor allem unser Konsum, der die meisten unserer finanziellen und ökologischen Probleme verursacht. Wir nehmen mehr, als wir geben. Wir wissen, dass wir unsere Schulden früher oder später zurückzahlen müssen, aber wir schieben das beiseite. Der Schuldenberg wächst, finanziell wie ökologisch. Erst wenn die Schwierigkeiten so unausweichlich werden, dass wir sie nicht mehr ignorieren können, beginnen wir angemessen zu handeln. So wie Energie weder erzeugt noch vernichtet werden kann, können wir auch unsere finanziellen und ökologischen Schulden nicht einfach zum Verschwinden bringen. Auch ein Gummiband kann zwar bis zum Maximum gespannt werden, zieht sich dann aber auf die ihm gegebene Länge zurück.

Also, warum vermeiden wir es, weniger zu benutzen? Warum sind wir so begierig, zu konsumieren?
Vielleicht ist es so, weil wir im Leben nach den falschen Dingen Ausschau halten. Wahrscheinlich ist das, was wir brauchen, eine innerliche [interne (internal)] Revolution.

Lassen Sie uns einige Möglichkeiten anschauen, wie wir die Kraft der Genügsamkeit nutzen können, um wieder ins Gleichgewicht zu wieder.

Weniger Autofahren, mehr laufen.
Das tut nicht nur der Umwelt gut, auch Ihrem Herzen. In jeder Hinsicht!

Weniger Begehrlichkeiten, mehr Wertschätzung.
Nehmen zum Beispiel Ihre Wohnsituation: Anstatt ein großes Haus zu wollen, das sie sich eigentlich gar nicht leisten können, sollten sie sich vielleicht auf ein kleineres Heim einlassen. Weniger Geld für die Kreditrückzahlung, weniger Umweltbelastung dank geringerem ökologischem Fussabdruck. Und eine geringere finanzielle Belastung bedeutet mehr Zeit für die kostbaren Dinge im Leben, mehr Lebenszeit. Win/Win!

Weniger reden, mehr zuhören.
Wenn wir zuhören, verbringen wir die meiste Zeit darauf, innerlich bereits unsere Antwort vorzubereiten. Sie ahnen nicht, wie viele Menschen einander nie wirklich hören! Überlegen Sie mal, wie sie ihr Leben bereichern könnten, indem Sie andere Menschen - im wahrsten Sinne des Wortes – besser verstehen.
Sie werden wahrscheinlich eine Menge unnötiger Dramen vermeiden, die auf Mißverständnissen beruhen. Auch mir geht es so. Wenn ich versuche, sie wirklich zu verstehen, wird meine Frau viel weniger verrückt über mein "nicht-zuhören". Das ist immer sehr schön. :-)

Kaufen Sie Dinge (die zwar teurer sind) aber länger halten.
Ein Nassrasierer mit einer gewöhnlichen Klinge zum Beispiel hält weitaus länger als ein Einwegrasierer. Das spart Geld und befreit die Umwelt von der Herstellung unnötiger Mengen von Wegwerfprodukten! Überdenken Sie in diesem Sinne ihre Nutzung von Fertigprodukten und von vorgefertigten Wegwerfprodukten.

Seien Sie öfter achtsam.
Je achtsamer wir sind, desto mehr werden wir uns ersparen. Wir verschwenden oft eine Menge Zeit damit, herumzueilen, um viel zu viele Dinge gleichzeitig zu tun. Wir versuchen einen Bericht auszudrucken, Kaffe zu kochen und dabei noch gleichzeitig zu telefonieren. Wenn wir so verfahren, laufen wir Gefahr, die falschen Seiten auszudrucken, aus Versehen den Kaffeefilter zu vergessen oder am Telefon die falschen Dinge zu sagen. Wir brauchen dann mehr Zeit, uns selbst zu korrigieren als wir bräuchten, die Dinge einfach in Achtsamkeit nacheinander zu erledigen.

Weniger Dinge.
Je mehr Dinge wir kaufen, desto mehr Ressourcen dieses Planeten verbrauchen wir. Je mehr wir konsumieren, um so mehr wächst diese ökologische Hypothek an. Neue Kleidung, Gebrauchsgüter oder ein Telefon zu kaufen, ist an sich nicht schlecht. Es ist unsere unwiderstehliche Neigung, wieder und wieder das Neueste oder Großartigste zu kaufen, die unser Konsumverhalten gefährlich macht – das alte Zeug muß am Ende ja irgendwo hin...

Welche Wege schlagen Sie ein, um die Kraft der Genügsamkeit zu nutzen, um unserem Planten eine letzte Chance zu geben? Ich würde mich freuen, von Ihren Ideen zu hören, am besten gleich hier, an dieser Stelle.


Dieser Artikel ist eine freie Übersetzung eines Beitrags des illuminatedmind.net Autors Jonathan Mead. Der Artikel wurde erstmals auf der Zenhabits-Website unter dem Titel Want to save the world? veröffentlicht. Übersetzung: Dirk Henn.

Kommentare

Subsistenz

Super, der Artikel.
Es ist tatsächlich merkwürdig, dass die eigentlich logische und befriedigendere Lösung ziemlich vieler unser Probleme darin bestehen kann, uns auf das wirklich Nötige zu besinnen und viel öfters den Ramsch ablehnen, der uns oft eher belastet.
Noch ein Vorschlag:
Was würde passieren, wenn wir ein Jahr lang mal nicht weit in den Urlaub fahren würden, sondern uns bemühen, mental runterzufahren, vor Ort Freunde zu besuchen, mit den Kindern Radtouren machen würden und z.B. die Bücherei/ die Museen bei uns intensiver frequentieren würden?
Ich glaube, verstaubte Begriffe wie Bescheidenheit, Besinnung auf wirkliche Werte und Demut gehören wieder ausgebuddelt und mit Leben gefüllt.
Danke!

genüsamkeit

Ich freue mich immer, wenn ich von Menschen höre, die auch Genügsamkeit und Becheidenheit als beste Lösung sehen.

Seit Jahren fahre ich gar nicht mehr in den Urlaub, trage meine Kleidung, bis sie verbraucht ist, kaufe keine neuen technischen Produkte mehr und "gönne" mir so wenig wie möglich, kein Kino, kein Essengehen, kein Freizeitpark u. ä. Luxus sind für mich ökologisch hergestellte Produkte, Zeit für ein ausgedehntes Frühstück, Zeit zum Selberkochen, Salat aus dem eigenen Garten, Besuche bei lieben Menschen.

Das geht - nur die Einstellung muss stimmen.

In diesem Sinne

"Gesellschaftliche Veränderung fängt immer mit Außenseitern an, die spüren,
was notwendig ist!“ Robert Jungk

Jawohl

Ich war viel auf Reisen in Asien, also Reisen könnte ja man schon noch aber z b mit dem Velo oder
ein sparsames Womo Zuhause ökologisch muss man halt auf den Verbrauch achten.

Ich habe sehr wenig Hab Und Gut weil ich wegen dem Reisen wohnmössig das nehmen muss was kommt habe ich jetzt eine 20qm Mansarden Zimmer mit selbst eingerichter Küche in Bern.

mit dem Wasser das ich ich Koche je nach Essen wasche ich ab und fülle die Bettflasche gleichzeitig..

Den Reis 5 Kilo Sack koche ich nicht ganz gar sonder lasse in stehen und hülle die Pfanne ein in ein Tuch...der reis wird grad so gut wie im Reiskocher . Oder Linsen mit Kartoffeln mit Gurkensalat beim essen kann man viel sparen.

Ich bin auf dem Weg leider noch keine Praxis mit Garten, weil ich auch nicht so wohne noch wer weiss was kommt, schaue ich mit wenigen Sachen auszukommen nur das was ich brauche. schneide mir auch die Haare selber seit 20 Jahren.

Manchmal höre ich , ich lebe nicht oder bisschen Käse sollte man sich auch leisten und und aber
ich sage dann je genügsamer desto mehr Freiheit und evtl früherer hurra Punkt ..

Da ich gerne Reise interessiert mich ein Wohnmobile mit Solar u.s.w zum drinnen leben..

Ka

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