Das wunderbare Durcheinander des Lebens

Negative Muster zulassen und überwinden

Überlebenskünstler

Überlebenskünstler       Foto © skyla80/photocase

Jonathan Mead

Wenn das Wasser zu klar ist, wirst du keine Fische darin finden.
Chinesisches Sprichwort

In unserer Kultur sind wir von Reinheit besessen. Es geht nicht nur um körperliche Reinlichkeit, sondern ebenso um innere Reinigung. Wir sehnen uns danach, frei von Negativität und unerwünschten Gefühlen zu sein.

Also schieben wir die unerwünschten Gefühle oft fort. Oder wir überdecken sie mit positivem Denken. Wir denken „Wenn es nur positiv genug ist, werden die Dinge, die ich nicht will, verschwinden.“ Allerdings scheint es mir, dass das kaum jemals funktioniert. Ich habe es eine lange Zeit versucht, und es hat nie geklappt.

Blumen wachsen im Abfall, auf dem Kompost und im unansehnlichen Durcheinander. Erst durch das Durcheinander hindurch kommt die Schönheit zum Vorschein. Nicht, indem wir es los werden, sondern indem wir es transformieren.

Das Wasser, das zu klar ist, enthält keine Fische.

Ich vermute folgendes: Jeder Gedanke oder jede Situation, die sich in deinem Leben ergeben, und die du als negativ oder unerwünscht bezeichnen würdest, hat ebenso eine darunterliegende heilsame Bestimmung. Wenn du tiefer in die Negativität hineingehst, mag sie dir eine Lektion erteilen, dich vor etwas schützen oder dir etwas sehr Wichtiges vor Augen führen. Es liegt etwas darin, das dir zur Seite steht (obschon es dich festhalten mag oder dir in dem Moment diese oder jene Art von Leid zufügt).

Wenn du negativen Situationen oder Gedanken mit Nachdruck entkommen willst, verleugnest du einen Teil von dir selbst. Du wendest nichts zum Guten. Das vermagst du nicht. Du musst durch es hindurch gehen.

Um es umzuwandeln, musst du es willkommen heißen und ihm Raum geben. Frage dich, was dort ist und was es dich lehrt. Frage danach, was es für dich will. Lade es in dein Herz ein und lass es dort verweilen. Gib ihm Raum. Nur dann kannst du es angehen und ihm erlauben sich aufzulösen.

Auf diese Weise wird das Durcheinander schön. Unter dem Dreck und Chaos liegt ein wunderschöner Edelstein. Doch es brauchte das Durcheinander, das den Edelstein gehalten und hervorgebracht hat.

Wenn du dies erinnerst und dich darin übst, den Schlamassel einzuladen, wirst du fähig sein, darüber hinaus zu gehen. Indem du mit den unerwünschten Gedanken und Gefühle in Kontakt gehst und ihnen liebevoll begegnest, erlaubst du etwas Schönem, an ihrer Stelle zu gedeihen. Und dann kann wahrer Wandel Raum greifen. Du wirst es nicht länger mit deiner vorgetäuschten Positivheit verdecken oder es fortweisen, sondern wirkliche Transformation erfahren.

In jeder verkorksten Situation liegt Schönheit und jeder Schönheit ist das Durcheinander eingeschrieben.

Durch die Ablehnung dessen, was wir nicht wollen (das Negative und das Unberechenbare), verneinen wir auch das was wir doch wollen. Wir kriegen nicht was wir wollen, ohne durch das Durcheinander hindurchzugehen.

Anstatt dich also vom Schlamassel fernzuhalten: Gehe hindurch. Wenn du ihm immer wieder aufs Neue Raum gibst, wird es dich niemals wieder kontrollieren oder behindern.

Dieser Artikel stammt von Jonathan Mead, er wurde erstmals auf seiner Website Illuminated Mind unter dem Titel The Beautiful Mess of Life: How to Allow and Move Past Negative Patterns veröffentlicht. Übersetzung: Dirk Henn.

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