Chögyam Trungpa

Zuversicht ist bereits da

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang       Foto © -ape-/photocase

Chögyam Trungpa

Wenn wir Zuversicht entwickeln, ist es ähnlich, als ob wir der Sonne beim Aufgehen zuschauen. Zuerst wirkt sie schwach und kraftlos, und man fragt sich, ob sie es wohl schaffen wird. Dann strahlt und strahlt sie.

Zuversicht hat nichts mit Arroganz oder Stolz zu tun. Es ist ein natürlicher, sich entfaltender Prozess.

Es geht nicht darum, ob man Zuversicht benötigt oder nicht. Sie ist einfach da. Tatsächlich brauchen wir Zuversicht im Grunde nicht zu entwickeln. Es ist eher so, dass wir die Zuversicht, die bereits da ist, einfach anerkennen können.

Erkenne die Leistungen deiner Vorfahren an.

Chögyam Trungpa

Wir sollten die Leistungen der Vergangenheit nicht ignorieren. Es ist zu einem der größten Probleme der Welt geworden, dass der Erfindungsreichtum des Menschen – den wir grundlegende Gutheit nennen – nicht respektiert wird. Wie auch immer: Wir müssen die Verbindung zwischen Tradition und heutiger Erfahrung wieder finden. „Jetztheit“, die Magie des gegenwärtigen Moments, ist es, die die Weisheit der Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet. Wenn du ein Gemälde auf dich wirken lässt, ein Musikstück, ein literarisches Werk, egal wann es entstanden ist, dann erlebst du es jetzt.

Sieh ohne Arroganz die Großartigkeit des Universums.

Nebelmeer

Nebelmeer       © ohneski/photocase

Chögyam Trungpa

Wir können die Welt der Phänomene nicht ignorieren. Wir sollten jede Gelegenheit ergreifen, sie beim Schopf packen.
Freuen wir uns an der Welt, die so lebendig und schön ist.
Arrogante Menschen sind so mit sich selbst und ihrer Konkurrenz zu anderen beschäftigt,
dass sie nicht einmal mehr hinschauen.

Um Himmel und Erde zu vereinen, musst du den Egoismus überwinden.

Chögyam Trungpa

Um eine Vision ins Praktische umzusetzen, brauchst du Zuversicht und Selbstvertrauen. Darüber hinaus darfst du aber auch nicht egoistisch sein. Wenn jemand denkt: „Jetzt habe ich´s! Ha ha!“ – das funktioniert nicht. Himmel und Erde zu vereinen gelingt nur, wenn du deine egoistische Einstellung überwindest. Der Meister-Krieger ist extrem demütig.

Hoffnung und Angst halten den Lauf der Jahreszeiten nicht auf.

Zugvogel

Zugvogel       Foto © Mella/photocase

Chögyam Trungpa

Die vier Jahreszeiten kommen und gehen, ganz gleich ob wir das wollen oder nicht.
Das natürliche Gesetz und die natürliche Ordnung dieser Welt ist nicht „für“ oder „gegen“ uns. Grundsätzlich gesehen gibt es auf der Welt nichts, das uns bedroht oder andererseits für uns Partei ergreift.

Es gibt eine natürliche Ordnung, die uns überleben lässt, und das ist grundlegend gut. Diese natürliche Ordnung des Universums halten wir oft für selbstverständlich oder lehnen sie ab, aber wir sollten uns das genau überlegen. Wir sollten wertschätzen, was wir haben. Wir sollten es wunderbar finden, dass wir auf der Welt sind.

Lächelnd ganz präsent

Chögyam Trungpa

Es nicht notwendig, andauernd zu schuften und die Dinge fortwährend voranzutreiben. Wenn du in lebendigen Situationen wach und offen bist, ist es ihnen und dir möglich, kreativ, schön, humorvoll und freudvoll zu sein. Diese natürliche Offenheit ist rechtes Bemühen - im Gegensatz zu allen alten Arten der Anstrengung. Rechtes Bemühen bedeutet, die Situation exakt so zu sehen, wie sie in genau diesem Moment ist, ganz gegenwärtig zu sein, freudvoll, mit einem Lächeln.

Geh über die Angst hinaus

Chögyam Trungpa

Wenn du deine Angst untersuchst, wenn du hinter die Fassade deiner Nervosität schaust, findest du Traurigkeit. Die Nervosität rührt dauernd etwas auf, ist ein einziges Beben. Wenn du das Tempo rausnimmst, wenn du deine Angst in Ruhe lässt, ist die Traurigkeit still und sanft. Der Shambhala-Tradition zufolge entdecken wir Furchtlosigkeit, wenn wir mit der Weichheit des menschlichen Herzens arbeiten.

Unsicherheit zu überwinden ist unsagbar gut

Chögyam Trungpa

Unsicherheit heißt hier, dass du an dir selbst oder der Existenz der grundlegenden Gutheit zweifelst. Wenn du dich nicht bestrafst oder verdammst, wenn du dich mehr entspannst und Körper und Geist zu mögen beginnst, dann kommst du mit der grundlegenden Gutheit in dir in Berührung. Es ist also enorm wichtig, dass du bereit bist, dich für dich selbst zu öffnen.

Um Furchtlosigkeit zu erleben, ist es notwendig, Angst zu haben

Das Wesen der Feigheit besteht darin, dass man die Tatsache der Angst verdrängt.

Angst nimmt viele Formen an.
Wir haben Angst vor dem Tod, wir haben Angst, mit den Anforderungen unseres Lebens nicht klarzukommen, und es gibt die jähe Angst oder Panik, wenn sich neue Situationen einstellen. Angst zeigt sich als Ruhelosigkeit: wie wir uns bewegen, wie wir reden, wie wir Nägel kauen, wie wir sinnlos die Hände in die Taschen stecken.

Wir müssen unsere Angst erkennen und uns mit ihr anfreunden.

Dieses Akzeptieren der Angst ist aber kein Grund zur Depression. Weil wir diese Angst haben, vermögen wir auch Furchtlosigkeit zu erfahren.

Formuliere die Wahrheit nicht aus

Chögyam Trungpa

Wenn du die Wahrheit ausformulierst, verliert sie ihre Essenz und wird zu „meiner“ oder „deiner“ Wahrheit. Wenn jedoch die Wahrheit zwischen den Zeilen steht, gehört sie niemandem.

Wenn der Drache einen Wolkenbruch möchte, macht er Blitz und Donner. Das bringt den Regen. Wahrheit wird von ihrer Umgebung erschaffen; auf diese Weise wird sie eine mächtige Realität.

So gesehen ist es wichtiger den Abdruck der Wahrheit zu ergründen, als die Wahrheit selbst. Die Wahrheit braucht keinen Henkel.

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